Hohlraumboden oder Doppelboden: welcher Systemboden wohin passt
Abel Akustik GmbH + Co KG · Stand:
Ein Verwaltungsbau bekommt neue Arbeitsplätze, und die Bodentanks sollen dort sitzen, wo später die Schreibtische stehen. Im Technikraum daneben kommen immer wieder Kabel hinzu. Beide Räume brauchen einen Installationsraum im Boden. Ob ein Hohlraumboden oder ein Doppelboden besser passt, entscheiden vier Fragen: Wie oft muss man an die Leitungen? Welche Lasten stehen auf dem Boden? Wie gut müssen die Räume gegeneinander gedämmt sein? Und was verlangt der Brandschutz?
Zwei Systemböden, ein Prinzip
Beide Böden schaffen einen Hohlraum zwischen Rohdecke und Gehbelag. Darin liegen Strom- und Datenkabel, teils auch Heizungs- und Wasserleitungen. Unterschieden werden drei Arten von Systemböden: Hohlböden, auch Hohlraumböden genannt, Doppelböden und Kanalsysteme. Für Hohlböden gilt DIN EN 13213, für Doppelböden DIN EN 12825. In unserem Leistungsüberblick stehen beide bei den Boden-Systemen.
Doppelboden: Jede Platte lässt sich abheben
Der Doppelboden besteht aus vorgefertigten Tragplatten auf höhenverstellbaren Stützen, in der Regel aus Stahl. Das Raster misst meist 600 × 600 mm, die Platten bestehen aus Holzwerkstoff oder aus Calciumsulfat. Jede Platte lässt sich einzeln herausnehmen, darunter liegt der Hohlraum offen. Damit das so bleibt, muss auch der Belag jederzeit wieder aufnehmbar verlegt sein.
Hohlraumboden: geschlossene Tragschicht
Beim Hohlraumboden ist die Tragschicht geschlossen. Für den Nasshohlboden wird Estrich auf eine verlorene Schalung gegossen, die auf Füßen steht. Beim Trockenhohlboden liegen Platten aus Gipsfaser oder Calciumsulfat auf Stützen und werden an den Kanten miteinander verklebt. Für seinen Trockenhohlboden FLOOR and more gibt Lindner an, er sei „schon nach einem Tag nutzbar“. An die Leitungen kommt man nur an geplanten Stellen, über Bodentanks und Revisionsöffnungen. Baunetz Wissen hält fest: „Revisionsöffnungen sind deshalb vorzusehen.“
Ein Geschoss muss nicht einheitlich ausgeführt werden. Häufig werden die Systeme innerhalb eines Gebäudes kombiniert: Doppelböden liegen in Bereichen mit hoher Installationsdichte wie Fluren, Hohlraumböden dort, wo die Versorgungsdichte geringer ist, etwa in kleinen Büros.
Links Doppelboden, rechts Hohlraumboden. Vertikalschnitt, schematisch und nicht maßstäblich.
- Rohdecke
- Stütze, höhenverstellbar
- Doppelbodenplatte mit Belag, auf den Stützenköpfen aufgelegt
- Angehobene Platte: Darunter liegt der Hohlraum an jeder Stelle offen
- Leitungen im Hohlraum
- Tragschicht des Hohlraumbodens: Platten an den Kanten verklebt, geschlossene Fläche
- Bodentank: Zugang zu den Leitungen nur an geplanten Stellen
- Gehbelag
- Lichte Höhe des Hohlraums: maßgeblich für die Grenzen der Systembödenrichtlinie
Zwei Systeme desselben Herstellers im Vergleich
Wie nah sich beide Bauarten in den Kennwerten kommen, zeigen zwei Systeme desselben Herstellers. Die Tabelle stellt die Angaben aus den Lindner-Datenblättern für den Doppelboden NORTEC und den Trockenhohlboden FLOOR and more nebeneinander.
| Kennwert | Doppelboden NORTEC | Hohlboden FLOOR and more |
|---|---|---|
| Norm für Last und Klasse | DIN EN 12825 | DIN EN 13213 |
| Tragschicht | Calciumsulfatplatten, einzeln aufnehmbar | Calciumsulfatplatten, an den Kanten verklebt |
| Plattendicke | 20,5 bis 44 mm | 30 bis 40 mm |
| Standard-Stützenhöhe | 20 bis 2000 mm | 40 bis 2000 mm |
| Stützfußraster | 600 × 600 mm | 600 × 600 mm |
| Gewicht | 36 bis 71 kg/m² | 41 bis 55 kg/m² |
| Klasse | Last- und Verschiebungsklasse 1A bis 5A | Lastklasse 2 bis 5 |
| Punktlast (Bruchlast) | 2 kN (4 kN) bis 5 kN (10 kN) | 3 kN (6 kN) bis 5 kN (10 kN) |
| Feuerwiderstand nach DIN 4102-2 | F 30 | F 30 |
| Bewertete Norm-Flankenschallpegeldifferenz Dn,f,w | 48 bis 64 dB | 36 bis 59 dB |
Auf die Punktlast kommt es an
Als kritische Last gilt bei Hohlraumböden die Punktlast, so Baunetz Wissen. Die Angabe „3 kN (6 kN)“ bedeutet: Die Bruchlast im Prüfversuch liegt bei mindestens 6 kN, als Nennlast gelten 3 kN. Dazwischen liegt der Sicherheitsfaktor 2, den auch andere Hersteller in ihren Datenblättern ausweisen. Zur Einordnung: 3 kN entsprechen der Gewichtskraft einer Masse von gut 300 kg, gerechnet als 3000 N geteilt durch 9,81 m/s². Diese Kraft wirkt auf einer kleinen Fläche.
Genauso belasten Schrankfüße, die Räder eines Hubwagens oder die Rollen eines Aktenwagens den Boden. Deshalb gehören die schwersten Einzellasten und die Transportwege in die Planung, bevor eine Klasse ausgeschrieben wird.
Schallwerte mit großer Spanne
Bei den Schallwerten schreibt Lindner für beide Systeme „abhängig von Zusatzmaßnahmen“. Beim Hohlboden liegen zwischen dem kleinsten und dem größten Wert 23 dB, beim Doppelboden 16 dB. Der Boden allein legt den Schallschutz zwischen zwei Räumen also nicht fest; es kommt auf die Zusatzmaßnahmen an. Welche das im Einzelnen sind, nennt das Datenblatt nicht. Übliche Maßnahmen beschreibt der nächste Abschnitt.
Wie der Hohlraum Schall von Raum zu Raum trägt
Ein Systemboden läuft oft unter mehreren Räumen durch. Für Hohlraum- wie für Doppelböden schreibt Baunetz Wissen, dass dann ohne zusätzliche Maßnahmen „mit einer stark ausgeprägten Schall-Längsübertragung zu rechnen“ ist. Gemeint ist Luftschall, der im Hohlraum unter der Wand hindurchläuft. Dazu kommt vor allem Trittschall, der als Körperschall über die Tragschicht in den Nachbarraum wandert.
Ein typischer Fall: Zwei Besprechungsräume werden durch eine Ständerwand getrennt, die auf dem fertigen Doppelboden steht. Die Wand selbst dämmt gut, aber unter ihr liegt der offene Hohlraum. Über ihn hört man die Nachbarn. Abhilfe schaffen Schotts im Hohlraum genau unter der Wand und beim Hohlraumboden zusätzlich eine Trennfuge in der Tragschicht. Noch besser ist eine Trennwand, die auf der Rohdecke steht und an die der Systemboden von beiden Seiten anschließt. Wie Schall an einer Wand vorbei über die Flanken läuft, zeigt auch der Beitrag über die Vorsatzschale vor der Massivwand.
Was die Systembödenrichtlinie für den Brandschutz verlangt
Die brandschutztechnischen Anforderungen stehen in der Muster-Systembödenrichtlinie (MSysBöR) in der Fassung September 2005. Die Länder haben sie als eigene Richtlinien eingeführt; maßgeblich ist die Fassung des jeweiligen Bundeslandes. Die Richtlinie definiert den Hohlboden als Systemboden „mit fugenloser, gegossener Tragschicht aus Estrich“ und einem Hohlraum bis 200 mm lichter Höhe. Hohlböden mit höherem Hohlraum sind wie Doppelböden zu behandeln.
Wie ein Trockenhohlboden aus verklebten Platten einzuordnen ist, sagt diese Definition nicht ausdrücklich. Das klärt man im Brandschutznachweis anhand des Verwendbarkeitsnachweises des gewählten Systems.
Notwendige Flure und Treppenräume
Hier sind die Regeln am strengsten. Soweit die Richtlinie nichts anderes regelt, müssen alle Teile aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen und die Anschlussfugen mit nichtbrennbaren Baustoffen verschlossen sein. Tragschicht und Tragplatten dürfen grundsätzlich keine Öffnungen haben. Für Hohlböden lässt die Richtlinie Revisions- und Nachbelegungsöffnungen zu, wenn sie dichtschließende Verschlüsse aus nichtbrennbaren Baustoffen haben. Der Estrich eines Hohlbodens muss mindestens 30 mm dick sein. Doppelböden, deren Hohlraum mehr als 200 mm lichte Höhe hat, müssen als tragende und raumabschließende Bauteile bei Brandbeanspruchung von unten feuerhemmend sein.
Andere Räume
Außerhalb dieser Bereiche liegt die Grenze bei 500 mm lichter Höhe des Hohlraums. Bei Doppelböden mit höherem Hohlraum muss die Tragkonstruktion aus Platte und Ständern bei Brand von unten feuerhemmend sein, bezogen auf die Tragfähigkeit. Dient der Hohlraum zugleich der Lüftung und läuft er unter mehreren Räumen durch, verlangt die Richtlinie Rauchmelder im Hohlraum oder am Luftaustritt. Sie müssen im Brandfall die Lüftungsanlage abschalten.
Wände auf dem Systemboden
Brandwände, Wände notwendiger Treppenräume und Trennwände, die die Bauordnung zwischen Nutzungseinheiten verlangt, dürfen nicht vom Systemboden aus hochgeführt werden. Das gilt auch für Wände notwendiger Flure, die Nutzungseinheiten trennen. Andere Wände mit Feuerwiderstandsanforderung dürfen auf dem Systemboden stehen, wenn sie zusammen mit ihm geprüft sind. Für die Planung heißt das: Wo zwei Mietbereiche aneinandergrenzen, endet der Systemboden an einer Wand, die auf der Rohdecke steht. Dieselbe Wand unterbricht dann auch den Schallweg im Hohlraum.
Belag und Ableitfähigkeit
Für NORTEC nennt Lindner elastische Beläge, selbstliegende Fliesen und textile Beläge. Den Trockenhohlboden FLOOR and more mit geschlossener Tragschicht bezeichnet der Hersteller als für alle Oberbeläge geeignet.
In Technik- und Serverräumen kann ein ableitfähiger Doppelboden gefordert sein, damit elektrostatische Ladungen abfließen können. Die Hersteller geben dafür einen Erdableitwiderstand an, und der geforderte Wert gehört in die Ausschreibung. Auf unserer Referenzliste steht ein ableitfähiger Doppelboden in einer Kaserne.
Was vor der Ausschreibung feststehen sollte
- Wo liegen viele Leitungen, und wie oft ändern sie sich? Daraus folgt, wo Doppelboden und wo Hohlraumboden liegt.
- Welche Einzellasten treten auf, etwa durch Schränke, Regale oder Transportwege? Daraus folgt die Lastklasse.
- Wie hoch muss der Hohlraum werden? Bei Doppelböden entscheiden 200 und 500 mm lichte Höhe über die Brandschutzanforderungen.
- Welche Wände stehen auf der Rohdecke, welche auf dem Systemboden, und wo braucht der Hohlraum Schotts?
- Wo sitzen Bodentanks und Revisionsöffnungen, und welcher Belag kommt darauf?
Häufige Fragen
Kann man in einen Hohlraumboden später noch Bodentanks setzen?
Ja. Die Systembödenrichtlinie spricht bei Hohlböden ausdrücklich von Nachbelegungsöffnungen. In notwendigen Fluren brauchen solche Öffnungen dichtschließende Verschlüsse aus nichtbrennbaren Baustoffen. Wo und wie groß eine Öffnung in der Tragschicht geschnitten werden darf, gibt der Hersteller des Systems vor.
Darf eine Trennwand auf dem Doppelboden stehen?
Das hängt von der Wand ab. Brandwände, Treppenraumwände und Trennwände zwischen Nutzungseinheiten müssen auf der Rohdecke stehen. Andere Wände mit Feuerwiderstandsanforderung dürfen auf dem Systemboden stehen, wenn sie zusammen mit ihm geprüft sind. Für Wände notwendiger Flure innerhalb einer Nutzungseinheit nennt die Richtlinie Erleichterungen. Für den Schallschutz gehört unter die Wand ein Schott im Hohlraum.
Wie hoch muss der Hohlraum sein?
So hoch, dass die dickste Leitung samt Kreuzungen hineinpasst, mit Reserve für spätere Nachbelegung. Die Standard-Stützenhöhen reichen bei NORTEC von 20 mm, bei FLOOR and more von 40 mm bis jeweils 2000 mm. Für den Brandschutz von Doppelböden zählen zwei Grenzen der lichten Höhe des Hohlraums: 200 mm in notwendigen Fluren und Treppenräumen, 500 mm in anderen Räumen.
Lässt sich eine Fußbodenheizung mit einem Hohlraumboden verbinden?
Ja. Baunetz Wissen verweist für Heizestriche auf Hohlraumböden auf DIN 18560-2. Heizungs- und Wasserleitungen auf der Rohdecke müssen dabei ausreichend gedämmt sein. Ob und wie ein bestimmtes System beheizt werden darf, steht in den Systemunterlagen des Herstellers.
Normen und Quellen
- DIN EN 13213:2001-12: Hohlböden
- DIN EN 12825:2002-04: Doppelböden
- Muster-Systembödenrichtlinie (MSysBöR), Fassung September 2005: brandschutztechnische Anforderungen an Systemböden, in den Ländern als eigene Richtlinie eingeführt
- DIN 4102-2:1977-09: Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen, Bauteile
- DIN 18560-2:2022-08: Estriche im Bauwesen, Estriche und Heizestriche auf Dämmschichten
- Lindner, Datenblätter NORTEC (Doppelboden) und FLOOR and more (Trockenhohlboden)
- Baunetz Wissen Boden und Akustik: Systemböden, Doppelböden, Hohlraumböden