Abel AkustikAkustik- und Trockenbau

Vorsatzschale vor der Massivwand: direkt befestigt oder freistehend

Abel Akustik GmbH + Co KG · Stand:

Im Bestandsbüro versteht man die Gespräche aus dem Nachbarraum durch die Wand. Im Krankenhausflur sollen neue Steigleitungen vor einer alten Wand verkleidet werden, ohne dass jemand Schlitze stemmt. In beiden Fällen stellt der Trockenbauer eine Vorsatzschale vor die vorhandene Wand. Was sie bringt, hängt vor allem von der Bauart und von den Anschlüssen ab.

Was eine Vorsatzschale ist

Eine Vorsatzschale ist eine einseitig beplankte Konstruktion vor einer massiven Wand. Sie trägt nur ihr eigenes Gewicht. Das unterscheidet sie von der klassischen Trockenbauwand, die beidseitig beplankt ist und zwei Räume trennt.

DIN 4109-34 beschreibt Vorsatzkonstruktionen als Bekleidung, die über eine Dämmschicht oder eine Unterkonstruktion vor einem massiven Bauteil angebracht wird. Laut Norm verändern solche Konstruktionen die Schalldämmung der massiven Grundkonstruktion. Verändern heißt nicht automatisch verbessern: Eine schlecht abgestimmte Schale kann den Schallschutz auch verschlechtern.

Im Trockenbau besteht sie aus Metallprofilen und Gipsplatten. Gebaut wird sie meist aus einem von zwei Gründen. Entweder dämmt die vorhandene Wand den Schall zu schlecht, oder die Leitungen sollen vor der Wand verlaufen statt in Schlitzen. Oft kommt eine dritte Aufgabe hinzu: eine schiefe oder beschädigte Wandoberfläche auszugleichen.

Zwei Bauarten mit unterschiedlicher Wirkung

Die direkt befestigte Schale

Bei der direkt befestigten Bauart stehen CD-Profile 60/27 senkrecht vor der Wand. Das Danogips-Systemblatt für Schalen ohne Anforderungen an Brand- und Schallschutz nennt einen Profilabstand von höchstens 500 mm. Gehalten werden die Profile von Direktabhängern, die im Abstand von höchstens 900 mm in die Wand gedübelt sind. Oben und unten laufen UD-Profile auf Dichtungsband. Eine Lage Gipsplatte schließt die Fläche, Mineralwolle im Hohlraum ist möglich. Die Wanddicke beginnt bei 40 mm.

Diese Bauart braucht wenig Raumtiefe und eignet sich gut, um eine unebene Wand zu begradigen. Für den Schallschutz hat sie einen Nachteil: Ein starrer Direktabhänger verbindet die Beplankung fest mit der Massivwand. Danogips empfiehlt deshalb Direktabhänger mit Gummipuffer. Nach der technischen Information des Herstellers ist die Verbesserung solcher Schalen wegen der Körperschallübertragung über die Abhänger abzumindern.

Die freistehende Schale

Die freistehende Vorsatzschale hat ein eigenes Ständerwerk aus CW-Profilen. Die Profile sitzen unten und oben in UW-Profilen und berühren die Massivwand nicht. Der Hohlraum dazwischen wird mit Mineralwolle gefüllt. Mit CW 50 und einer Lage 12,5 mm Gipsplatte nennt das Datenblatt eine Wanddicke ab 62,5 mm, mit CW 100 ab 112,5 mm. Der Abstand zur Massivwand kommt hinzu: Bei 60 mm zwischen Wand und Beplankung sind es mit CW 50 insgesamt 72,5 mm.

DIN 18183-1 nennt in ihrem Anwendungsbereich ausdrücklich freistehende Vorsatzschalen ohne Zwischenabstützung. Wie hoch eine solche Schale werden darf, hängt vom Profil, vom Ständerabstand und vom Einbaubereich nach DIN 4103-1 ab. Die zulässigen Höhen stehen in den Tabellen der Hersteller.

Vorsatzschale vor einer Massivwand im HorizontalschnittLinks eine direkt befestigte Vorsatzschale mit CD-Profilen auf Direktabhängern, rechts eine freistehende Vorsatzschale mit CW-Profilen im Abstand zur Wand; beide mit Mineralwolle und einer Lage Gipsplatte.direkt befestigtfreistehend123456789

Links direkt befestigt, rechts freistehend. Horizontalschnitt, schematisch und nicht maßstäblich.

  1. Massivwand, vor die die Schale gestellt wird
  2. Direktabhänger, mit Dübel in der Massivwand befestigt; ein starrer Abhänger verbindet Schale und Wand
  3. CD-Profil 60/27, am Abhänger verschraubt
  4. Mineralwolle im Hohlraum, bei der direkt befestigten Schale optional
  5. Gipsplatte, eine Lage
  6. Wandanschluss: UD-Profil auf Dichtungsband
  7. Abstand zur Massivwand: Das CW-Profil berührt die Wand nicht
  8. CW-Profil, unten und oben in UW-Profilen
  9. Anschlussdichtung zur angrenzenden Wand

Was die Vorsatzschale am Schallschutz ändert

Massivwand, Luftschicht und Gipsplatte bilden ein Masse-Feder-Masse-System. Die schwere Wand ist die eine Masse, die leichte, biegeweiche Platte die andere. Die gedämmte Luftschicht dazwischen wirkt als Feder. Wie gut das funktioniert, entscheidet die Resonanzfrequenz dieses Systems.

Baunetz Wissen nennt als Ziel eine Resonanzfrequenz unter 80 Hz und einen Wandabstand zwischen 40 und 80 mm. Resonanzfrequenzen oberhalb 200 Hz verbessern die Schalldämmung danach nicht und können sie verschlechtern. Was Abstand und Plattenmasse in Zahlen bewirken, zeigt eine Rechnung nach DIN 4109-34. Danogips veröffentlicht sie für freistehende Schalen vor Kalksandsteinwänden.

Bewertete Verbesserung ΔRw durch eine freistehende Schale vor Kalksandstein, berechnet nach DIN 4109-34 (Danogips, Gipsplatten Typ A/GKB). Abstand zwischen Wand und Beplankung: 60 mm bei CW 50, 110 mm bei CW 100.
GrundwandRw der Grundwand1 × 12,5 mm, CW 501 × 12,5 mm, CW 1002 × 12,5 mm, CW 502 × 12,5 mm, CW 100
150 kg/m²45,0 dB15,7 dB18,4 dB18,5 dB21,2 dB
270 kg/m²52,9 dB11,9 dB14,5 dB14,8 dB17,4 dB
390 kg/m²57,9 dB9,5 dB12,1 dB12,4 dB15,0 dB

Aus der Tabelle lässt sich ablesen:

  • Je schwerer die Grundwand, desto kleiner der Gewinn. Dieselbe Schale mit CW 50 bringt vor der leichten Wand 15,7 dB, vor der schweren 9,5 dB, also 6,2 dB weniger.
  • Der tiefere Hohlraum mit CW 100 statt CW 50 bringt in jeder Zeile 2,6 bis 2,7 dB mehr.
  • Die zweite Plattenlage bringt 2,8 bis 2,9 dB. Beides zusammen ergibt vor der leichten Wand 21,2 statt 15,7 dB.

Das sind Rechenwerte für den Weg durch die Wand selbst. Sie setzen voraus, dass keine Leitung und keine Rohrdurchführung das Ständerwerk mit der Grundwand verbindet und der Hohlraum zu mindestens 70 % mit porösem Dämmstoff gefüllt ist. Wegen der Übertragung über flankierende Bauteile kann die tatsächliche Verbesserung laut Hersteller deutlich geringer ausfallen. Für seine Schalldämmwerte empfiehlt er ein Vorhaltemaß von mindestens 7 dB. Für direkt befestigte Schalen enthält die Tabelle keine Werte.

Wenn der Schall die Wand umgeht

Ein Beispiel aus dem Bestand: Zwei Büros teilen sich eine Wand, über beiden liegt dieselbe Betondecke, der Estrich läuft unter der Wand durch. Die neue Schale verbessert vor allem den Weg durch die Trennwand selbst. Über Decke, Boden und die angrenzenden Wände kommt ein Teil des Schalls weiter so an wie vorher. Die technische Information zur Tabelle beziffert das: Eine Vorsatzschale vor einem Trennbauteil verbessert nur 5 der 13 möglichen Schallübertragungswege.

Deshalb gehört der Blick auf die Flanken an den Anfang der Planung. DIN 4109-34 unterscheidet, ob eine Vorsatzkonstruktion am Trennbauteil vollständig unterbrochen ist oder durchläuft. Eine Vorsatzschale an der Flurwand, die ohne Fuge an der Trennwand vorbei ins Nachbarbüro läuft, wird selbst zum Schallweg. Dort wird sie daher unterbrochen. Dasselbe Prinzip gilt im Boden: Wie ein Hohlraum unter der Trennwand den Schall weiterleitet, zeigt der Beitrag Hohlraumboden oder Doppelboden.

Installationsvorsatzschale für Rohre und Spülkästen

Viele dieser Schalen entstehen wegen der Leitungen. Bei einer Strangsanierung im Krankenhaus laufen neue Abwasser- und Lüftungsleitungen vor der alten Wand nach oben. Bei der Sanierung einer WC-Anlage sitzen Spülkästen und die Befestigungen für Becken und Waschtische im Hohlraum. Auf unserer Referenzliste stehen Installationsvorsatzschalen und Vorwandinstallationen in Krankenhäusern, Kindertagesstätten und Verwaltungsbauten.

Die Massivwand bekommt dabei keine Schlitze: Niemand muss Mauerwerk oder Beton aufstemmen, und die Leitungen bleiben erreichbar, wenn Revisionsöffnungen eingeplant sind. Die Tiefe der Schale richtet sich nach dem dicksten Rohr und den Vorwandelementen. Sie wird festgelegt, bevor das erste Profil steht.

Zwei Punkte entscheiden später über Ruhe und Haltbarkeit. Abwasserrohre und ihre Halterungen dürfen keine starre Verbindung zur Beplankung haben, sonst gibt die Platte die Fließgeräusche in den Raum ab. Waschtische und Haltegriffe brauchen Traversen oder Tragständer im Hohlraum, die vor dem Beplanken sitzen müssen. In Duschen und anderen Spritzwasserbereichen kommen feuchtebeständige Platten und eine Abdichtung hinzu.

Details, die auf der Baustelle entscheiden

  • Die Anschlüsse an Boden, Decke und Seitenwände bekommen Dichtungsband oder Mineralwollstreifen und werden dicht verspachtelt.
  • Die freistehende Schale darf die Grundwand nirgends berühren. Schon ein Mörtelrest im Hohlraum oder eine durchgeschraubte Halterung verbindet beide wieder.
  • Liegt im Raum eine Unterdecke, führt man die Schale bis zur Rohdecke. Endet sie an der Unterdecke, bleibt darüber ein Streifen der alten Wand ohne Schale, und der Deckenhohlraum verbindet ihn mit dem Raum.
  • Die Plattenstöße werden um mindestens 400 mm versetzt. Fugen und Schraubenköpfe werden verspachtelt, Hinweise zur Verarbeitung enthält DIN 18181.
  • Vor Außenwänden kommt eine Frage hinzu: Ist der Hohlraum gedämmt, wirkt die Schale wie eine Innendämmung, und der Feuchteschutz der Wand muss geprüft werden.

Häufige Fragen

Wie viel Raumtiefe braucht eine Vorsatzschale?

Die direkt befestigte Schale mit CD-Profilen beginnt laut Datenblatt bei 40 mm Wanddicke. Freistehend mit einer Lage 12,5 mm Gipsplatte sind es mindestens 62,5 mm bei CW 50, 87,5 mm bei CW 75 und 112,5 mm bei CW 100. Dazu kommt ein Abstand zur Wand: Für die Schallwerte der Tabelle sind es 60 beziehungsweise 110 mm zwischen Wand und Beplankung, also 72,5 und 122,5 mm Gesamttiefe. Jede weitere Lage 12,5 mm Gipsplatte macht die Schale 12,5 mm tiefer.

Bringt eine Vorsatzschale vor einer schweren Wand überhaupt etwas?

Weniger als vor einer leichten Wand. In der Rechnung des Herstellers sinkt die Verbesserung mit der Masse der Grundwand, bei gleicher Schale von 15,7 dB vor 150 kg/m² auf 9,5 dB vor 390 kg/m². Je besser die Wand selbst dämmt, desto größer wird außerdem der Anteil, der über Decke, Boden und angrenzende Wände kommt. Dann hilft die Schale nur zusammen mit Maßnahmen an diesen Flanken.

Kann eine Vorsatzschale in einem genutzten Gebäude eingebaut werden?

Ja. Trockenbau kommt ohne Trocknungszeiten aus, Profile und Platten werden geschraubt. Laut wird es vor allem beim Dübeln der Anschlussprofile und, bei der direkt befestigten Schale, der Abhänger. Staub entsteht beim Zuschnitt der Platten. Auf unserer Referenzliste stehen solche Arbeiten in Krankenhäusern, etwa Strangsanierungen über mehrere Etagen.

Dürfen Steckdosen in die Vorsatzschale?

Ja. Im Systemblatt für Schalen ohne Brand- und Schallschutzanforderung lässt Danogips Elektrodosen und Leitungen ausdrücklich zu; bei Anforderungen gilt der Nachweis des gewählten Systems. Verwendet werden Hohlwanddosen in der Beplankung. Bei der freistehenden Schale bleibt hinter der Dose Abstand zur Massivwand. Berührt die Dose die Wand, entsteht an dieser Stelle eine Schallbrücke.

Normen und Quellen